keine spiele von dynamo kyiv im volksparkstadion!

12.09.2024

Zwei Jahre in Folge internationaler Fußball im Volksparkstadion. Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass man nicht mal sportlich erfolgreich sein muss, um sich für Europa aufzustellen? Im Jahr 2024 krebst der Verein zwar immer noch mal mehr, mal weniger erfolgreich durch die zweite Bundesliga, hat aber mittlerweile offenbar verstanden, dass schon eine mehr als erstligataugliche Infrastruktur in einer Weltstadt wie Hamburgs zur Verfügung stellen zu können, im wahrsten Sinne des Wortes, Gold wert ist.

Mit der jüngsten Meldung des Vereins, dass Dynamo Kyiv in dieser Saison die Europa League-Spiele im Volksparkstadion austragen wird, geht das Thema Stadionvermietung in die nächste Runde, wenngleich auch in eine unschöne. Denn Dynamo Kyiv ist in den letzten Jahren immer wieder durch rassistische und menschenverachtende Vorfälle in Erscheinung getreten. Dabei ist der Eindruck entstanden, dass es sich nicht um ein bloßes „Fanproblem“, sondern um eine sich bis tief in den Verein erstreckende grundsätzliche ideologische Ausrichtung handelt. Neben der immer akuter werdenden Diskussion darüber, ob eine Stadionvermietung an andere Vereine an sich abzulehnen ist, tritt der Verein mit diesem Deal seine eigenen Werte mit Füßen und erweckt den Eindruck, dass man zum Fähnchen im Wind wird, sobald das Geld stimmt.

Um sich diesem vielschichtigen Thema zu nähern, ist allerdings sowohl ein bisschen Kontext als auch eine Differenzierung erforderlich. Denn fairerweise muss gesagt werden, dass die Vermietung des Volksparkstadions insbesondere für Konzerte schon lange nichts neues ist. Irgendwie muss wohl auch ein Verein, der Jahr um Jahr seine sportlichen Ziele verfehlt, wirtschaftlich bleiben. Die unregelmäßig im Volksparkstadion ebenfalls stattfindenden Länderspiele braucht zwar niemand, sind aber leider ebenfalls schon lange Realität.

Mit der letztjährigen Entscheidung, Shakhtar Donetsk das Volksparkstadion für die eigenen Champions League-Spiele zur Verfügung zu stellen, hat der Verein allerdings eine neue Richtung eingeschlagen. Dass es einen Krieg in der Ukraine brauchte, um zu erkennen, dass auch andere Vereine, von unserem Stadion profitieren können, ist dabei natürlich ein besonders tragischer Anlass. Getragen von der zurecht großen Solidarität mit den vom Krieg betroffenen ukrainischen Bevölkerung, blieb die eigentlich erwartbare inhaltliche Diskussion über diese Entscheidung aus. Die Sorge, dass Kritik an der Vermietung als Relativierung des ukrainischen Leids angesehen wird, war an dieser Stelle wahrscheinlich zu groß. Auch wenn die Frage, inwiefern das Austragen von Fußballspielen mehrere tausend Kilometer entfernt, für das ukrainische Volk von Nutzen sein soll, erlaubt sein muss. Denn, dass es am Ende in erster Linie um Geld und nicht um Nächstenliebe geht, zeigt auch die Entscheidung des Vereins aus Donetsk, die diesjährigen europäischen Spiele in Gelsenkirchen auszutragen.

Mit der neu gewonnen Routine kam dem HSV das DFB-Pokalspiel von Phönix Lübeck gegen Borussia Dortmund gerade recht. Ein weiterer Geldsegen, der diese Mal allerdings auch den Preis hatte, dass man sich in seinem eigenen Stadion auf einmal selbst nur wie ein Gast fühlt. Die Maske des großzügigen Vereins, der lediglich aushilft, wenn ein Stadion gebraucht wird, ist spätestens an diesem Tag in jedem Fall endgültig gefallen.

So weit so gut (oder auch eben nicht), nun aber zurück zur Gegenwart. Seit letzter Woche Mittwoch ist offiziell bekannt, dass der HSV das Volksparkstadion Dynamo Kyiv in der Europa League zur Verfügung stellt. Dynamo anders als Shakhtar als einen weiteren 0815-Verein aus der Ukraine abzustempeln, verfehlt das Thema leider komplett. Wer „Dynamo Kyiv Rassismus“ bei Google eingibt, wird erschlagen von einer Flut an Artikeln, die über verschiedenste Skandale der letzten Jahre berichten. Fans, die in Ku-Klux-Klan-Masken, mit tätowierten Hakenkreuzen und weiterer faschistischer Symbolik zum Spiel erscheinen und Menschen wegen ihrer Hautfarbe im Stadion angreifen, eine Ultra-Gruppe mit dem Namen „White Boys Club“, Spieler die rassistisch beleidigt werden oder Funktionäre, die sich rassistisch äußern und unter anderem separate Sektoren für nicht-weiße Personen fordern, sind dabei nur ein Auszug einer Aufzählung, die sich noch sehr lange fortführen ließe. Auffällig ist dabei vor allem, dass das Verhalten offenbar nicht lediglich von den Fans ausgeht, wie man es von anderen Standorten kennt, sondern auch die Verantwortlichen selbst offenbar keinerlei Probleme mit den rechtsextremistischen Auftritten der eigenen Fans haben und diesen sogar noch öffentlich den Rücken stärken. Das übliche Abwälzen der Verantwortung auf die Fans kann daher nicht als Ausrede akzeptiert werden.

Auf dieser Grundlage darf es unserer Meinung nach keinerlei Zusammenarbeit mit dem Verein Dynamo Kyiv geben, egal wie groß der wirtschaftliche Vorteil auch sein mag. Einem solchen Verein, dann sogar unser Stadion als Bühne zu überlassen, während im C-Rang das große „Love Hamburg – Hate Racism“-Graffiti prangt, ist an Doppelmoral nur noch schwer zu überbieten. Nach Satzungsänderungen, zahlreichen Antidiskriminierungskampagnen wie #RauteistVielfalt oder der Teilnahme an den Internationalen Wochen gegen Rassismus sowie öffentlichen Positionierungen gegen menschenverachtende Ideologien hatten wir gehofft, dass den vielen Gesten auch Taten folgen. Dies muss von einem Verein mit einer derartigen Strahlkraft und einer immensen Vorbildfunktion für die Menschen dieser Stadt verlangt werden dürfen. Umso enttäuschter sind wir über aktuelle Entscheidung, die wieder einmal vermittelt, dass Geld am Ende des Tages über allen Werten steht.

In diesem Sinne, Love Hamburg – Hate Racism! Dynamo Kyiv raus aus dem Volksparkstadion!

FORZA HAMBURG