der fall jatta: das problem heißt noch immer rassismus
16.08.2019
Seit letzter Woche wird über die vermeintliche Identitätsschummelei unseres allseits geschätzten Spielers Bakery Jatta berichtet, ausgelöst durch einen von Paul Gorgas, Steven Jörgensen und Maximilian Wessing verfassten SportBild-Artikel. Darauf folgte ein medialer Aufschrei in den sensationsgeilen Klatschblättern der Republik, in denen mal wieder ohne Hemmung und Rücksicht auf den Menschen Bakery Jatta mit Floskeln um sich geworfen wurde, die von Asylbetrug bis Abschiebung reichten. Fast zeitgleich wird dabei kontrovers über die eindeutig rassistischen Äußerungen des Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies diskutiert. Während der Fleischereimogul trotz massiver Kritik aus Schalker Fanszene und dem eigenen Verein Stand heute nur drei Monate sein Amt ruhen lässt, muss Bakery besagten Klatschblättern zufolge trotz größter Unterstützung sogar um seinen Aufenthalt in diesem Land, in das er 2015 geflohen ist, fürchten. Paradoxer geht es wohl kaum.
Auch in unserem kleinen HSV-Kosmos sind derartige Vorkommnisse leider kein Einzelfall. Manche von Euch erinnern sich vielleicht noch an die Vorwürfe, denen sich Anthony Yeboah Ende der 80er Jahre ausgesetzt sah, weil er sich, wie er später zugab, bereits vor seiner Zeit beim HSV zwei Jahre älter machte, um frühzeitig im Herren*fußball spielen zu können. Auch Timothee Atouba, der im Champions-League-Spiel 2006 gegen ZSKA Moskau unter anderem als „N*****“ beleidigt wurde, musste leidvoll erfahren, wie sich öffentlich zur Schau gestellter Rassismus anfühlt. Der mediale Wirbel um Bakery reiht sich nahtlos ein.
Doch uns allen muss klar sein, dass der Profifußball nur die Spitze des Eisbergs ist. Alle genannten Fälle stehen lediglich beispielhaft für einen Rassismus, der seit jeher ein gesamtgesellschaftliches Problem in diesem Land darstellt, das tagtäglich unzählige Menschen betrifft. Der Fall Jatta zeigt dabei unter anderem auf, dass es in der Debatte um Flucht und Migration um Menschlichkeit und gelungene Integration scheinbar schon lange nicht mehr geht. Vielmehr wird nach fadenscheinigen Anhaltspunkten gesucht, gezielt Menschen mit anderer Hautfarbe oder Migrationshintergrund zu diffamieren und zu diskriminieren. So wurden die Vorwürfe gegen Bakery in den letzten Tagen unter anderem auch von der Co-Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion Alice Weidel benutzt, um die menschenverachtende Politik ihrer Partei weiter zu befeuern. Gegen diesen alltäglichen Rassismus wollen Wir uns gemeinsam mit Euch klar positionieren!
Eins noch: Die große Unterstützung von Verein, Fans und Außenstehenden, die Bakery in den letzten Tagen erhalten hat, darf dabei allerdings keinesfalls auf seine Tätigkeit als Profifußballer reduziert werden. Genau wie Ihr stehen wir ungeachtet des Wahrheitsgehalts der gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen hinter dem Menschen Bakery!
Heute wie morgen: Solidarität mit Bakery Jatta und allen noch immer von Rassismus betroffenen Personen!
Love Hamburg – Hate Racism!